Der Sommer 2026: Einordnung und Charakteristik
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Die Sommer in Deutschland sind im langfristigen Trend deutlich wärmer geworden. Besonders auffällig sind die zunehmende Häufigkeit sehr warmer Sommer, häufigere und intensivere Hitzeperioden sowie Veränderungen bei Trockenheit und Starkniederschlägen. Dabei bedeutet der Klimawandel nicht, dass jeder einzelne Sommer heiß und trocken sein muss: Auch künftig sind wechselhafte, relativ kühle oder sehr niederschlagsreiche Sommer möglich.
Die wärmsten Sommer in Deutschland
Seit Beginn der regelmäßigen flächendeckenden Messungen im Jahr 1881 gehören folgende Sommer zu den wärmsten:
| Sommer | Mitteltemperatur | Einordnung |
|---|---|---|
| 2003 | 19,7 °C | Wärmster Sommer seit 1881 |
| 2018 | 19,3 °C | Zweitwärmster Sommer seit 1881 |
| 2019 | 19,2 °C | Einer der wärmsten Sommer; extreme Hitzerekorde |
| 2022 | 19,2 °C | Gemeinsam mit 2019 auf dem Niveau des drittwärmsten Sommers |
| 2023 | 18,6 °C | Einer der wärmsten Sommer der Messreihe |
| 1947 | 18,5 °C | Historischer sehr warmer Sommer |
| 2024 | 18,5 °C | Deutlich über dem Klimamittel |
| 2015 | 18,4 °C | Sehr heißer Sommer mit mehreren Hitzewellen |
| 1994 | 18,4 °C | Einer der wärmsten Sommer der historischen Messreihe |
| 1992 | 18,3 °C | Sehr warmer Sommer |
| 1983 | 18,3 °C | Sehr warmer Sommer |
| 2020 | 18,2 °C | Deutlich zu warmer Sommer |
Der internationale Referenzwert der Periode 1961–1990 beträgt 16,3 °C. Der aktuelle Vergleichszeitraum 1991–2020 liegt bereits bei 17,6 °C. Dadurch wird deutlich, dass ein Sommer heute nicht nur gegenüber dem historischen Klimamittel, sondern auch gegenüber der jüngeren Klimanormalperiode bewertet werden sollte.
Die jüngsten Sommer
- 2025: 18,3 °C, also +2,0 °C gegenüber 1961–1990. Der Sommer war durch zwei markante Hitzewellen gekennzeichnet, dazwischen lag jedoch eine ausgesprochen nasse und teilweise kühle Juli-Phase.
- 2024: 18,5 °C, +2,2 °C gegenüber 1961–1990. Der Sommer war deutlich zu warm; besonders der August war außergewöhnlich warm.
- 2023: 18,6 °C, +2,3 °C gegenüber 1961–1990. Der Sommer war von starken Temperaturgegensätzen geprägt: auf Hitzeperioden folgten kühlere und niederschlagsreiche Phasen.
- 2022: 19,2 °C, +2,9 °C gegenüber 1961–1990. Der Sommer war außergewöhnlich warm und trocken und gehörte zu den vier wärmsten seit 1881.
- 2021: 17,9 °C, +1,6 °C gegenüber 1961–1990. Gleichzeitig war der Sommer sehr niederschlagsreich; insbesondere das Hochwasser im Juli prägte die Witterung.
- 2020: 18,2 °C, +1,9 °C gegenüber 1961–1990. Der Sommer war warm, wechselhaft und regional sehr trocken.
Verstärkter Treibhauseffekt
Durch das Verbrennen fossiler Energieträger (Kohle, Öl, Erdgas), Entwaldung und industrielle Prozesse steigt die Konzentration von Treibhausgasen wie Kohlendioxid (CO2), Methan (CH4) und Lachgas (N2O) in der Atmosphäre kontinuierlich an.
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Diese Gase lassen das kurzwellige Sonnenlicht zur Erde durch, verhindern aber, dass die von der Erdoberfläche abgestrahlte langwellige Wärmestrahlung vollständig ins All entweicht.
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Die Folge ist eine höhere Grundtemperatur der Atmosphäre – das klimatische Niveau („Basislevel“), von dem aus Sommertemperaturen starten, liegt heute global rund 1,2 bis 1,3 °C höher als in der vorindustriellen Zeit. In Deutschland ist die Mitteltemperatur sogar noch stärker gestiegen.
Veränderungen der Luftzirkulation (Schwächender Jetstream)
Der Jetstream ist ein starkes Starkwindband in der oberen Troposphäre, das von West nach Ost weht und das Wetter in Mitteleuropa maßgeblich steuert. Er entsteht durch den Temperaturunterschied zwischen der heißen Äquatorregion und der kalten Arktis.
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Schnellere Erwärmung der Arktis (Arktische Verstärkung): Die Polargebiete erwärmen sich mehr als doppelt so schnell wie der Rest des Planeten. Dadurch verringert sich das Temperaturgefälle zwischen Norden und Süden.
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Mäandrieren und Blockaden: Der Jetstream wird schwächer und bildet größere, träge Wellen. Wetterlagen „verharren“ dadurch viel länger an einem Ort. Im Sommer führt dies häufiger zu sogenannten Omegalagen oder stationären Hochdruckgebieten. Diese Hochdruckgebiete bringen wochenlangen Sonnenschein, trocknen die Böden aus und lassen die Luftmassen vor Ort immer weiter aufheizen.
Eine häufig vereinfachte Darstellung besagt, dass die stärkere Erwärmung der Arktis den Temperaturgradienten zwischen hohen und mittleren Breiten verringert und dadurch einen schwächeren, stärker mäandrierenden Jetstream verursacht. Diese Erklärung ist jedoch wissenschaftlich nicht ausreichend gesichert, um daraus generell eine Zunahme stationärer Wetterlagen abzuleiten.
Sicherer ist: Blockierende Wetterlagen können über längere Zeiträume Hitze oder Trockenheit begünstigen, unabhängig davon, ob ihre Häufigkeit langfristig eindeutig durch einen einzelnen Jetstream-Mechanismus erklärt werden kann.
Rückkopplung durch Bodenfeuchte und Verdunstung (Boden-Atmosphäre-Kopplung)
Der Zustand des Bodens spielt eine entscheidende Rolle für die Sommertemperaturen:
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Wenn im Frühjahr und Frühsommer ausreichend Feuchtigkeit im Boden vorhanden ist, wird ein Großteil der eingestrahlten Sonnenenergie für die Verdunstung von Wasser genutzt (latente Wärme). Das hält die Umgebung kühlt.
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Fällt jedoch im Frühjahr zu wenig Regen oder trocknet eine erste Hitzewelle den Boden aus, fehlt das Wasser zur Verdunstung. Die gesamte Sonnenenergie fließt dann direkt in die Erwärmung der Luft (fühlbare Wärme). Trockene Böden verstärken Hitzewellen somit selbst (positive Rückkopplung).
Atmosphäre und Starkniederschläge
Mit steigender Temperatur kann die Atmosphäre grundsätzlich mehr Wasserdampf enthalten. Als Faustregel gilt, dass die maximale Wasserdampfmenge der Atmosphäre pro 1 °C Erwärmung um ungefähr 7 % zunimmt.
Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass es überall häufiger regnet. Vielmehr können sich die Bedingungen für intensivere Starkniederschläge erhöhen, während gleichzeitig längere niederschlagsarme Perioden auftreten können.
Für Deutschland ist deshalb eine zunehmende Kombination aus sommerlicher Hitze, Boden- und Vegetationstrockenheit sowie lokal sehr intensiven Niederschlagsereignissen relevant.
Erwärmung von Meeren und Luftmassen
Auch die Erwärmung der Meere beeinflusst die Eigenschaften der Luftmassen, die Europa erreichen. Besonders warme Meeresoberflächen können die Temperatur und den Feuchtegehalt der darüberliegenden Luft beeinflussen.
Bei südlichen oder südwestlichen Strömungen können sehr warme Luftmassen aus dem Mittelmeerraum oder aus Nordafrika nach Mitteleuropa gelangen und dort extreme Temperaturen begünstigen.
Urbane Wärmeinseln
In Städten kommt ein zusätzlicher lokaler Effekt hinzu. Asphalt, Beton und andere versiegelte Oberflächen speichern tagsüber große Energiemengen und geben diese nachts wieder ab.
Dadurch kühlen Städte langsamer aus als das Umland. Dies begünstigt insbesondere Tropennächte, also Nächte, in denen die Lufttemperatur nicht unter 20 °C sinkt.
Klimamodelle zeigen für Deutschland und Mitteleuropa eine weitere Erwärmung. Dabei ist nicht zu erwarten, dass jeder Sommer automatisch heißer als der vorherige wird. Entscheidend ist vielmehr die Verschiebung der statistischen Verteilung: Sehr warme Sommer werden wahrscheinlicher, während außergewöhnlich kühle Sommer seltener werden.
Mit zunehmender Erwärmung ist insbesondere mit folgenden Veränderungen zu rechnen:
- Mehr und intensivere Hitzeperioden
- Mehr heiße Tage und höhere Extremtemperaturen
- Häufigere bzw. intensivere Hitze in Städten
- Mehr Tropennächte
- Stärkere Bedeutung von Bodenfeuchte und Dürre
- Potenzial für intensivere Starkniederschläge
- Steigende Anforderungen an Städte, Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Wasserwirtschaft
Maßnahmen wie Entsiegelung, Begrünung, Beschattung, Wasserrückhalt, angepasste Stadtplanung und Hitzeaktionspläne gewinnen deshalb zunehmend an Bedeutung.
Sommer-Durchschnittstemperaturen in Deutschland 1976–2025
Datengrundlage: Gebietsmittel Deutschland, meteorologischer Sommer (Juni, Juli, August), Deutscher Wetterdienst (DWD).
Referenzperiode: 1961–1990 = 16,3 °C.
Die Temperaturwerte wurden auf eine Nachkommastelle gerundet; die Abweichung wurde daraus gegenüber 16,3 °C berechnet. Die DWD-Zeitreihe weist die Sommermittel für Deutschland seit 1881 aus.
| Jahr | Ø-Temperatur | Abweichung zu 1961–1990 | Einordnung |
|---|---|---|---|
| 2025 | 18,3 °C | +2,0 °C | Sehr warm; zwei markante Hitzewellen, dazwischen ein ungewöhnlich nasser und teils kühler Juli |
| 2024 | 18,5 °C | +2,2 °C | Sehr warm; besonders der August war außergewöhnlich warm |
| 2023 | 18,6 °C | +2,3 °C | Sehr warm; geprägt von starken Temperaturgegensätzen und Hitzeperioden |
| 2022 | 19,2 °C | +2,9 °C | Sehr warm; einer der vier wärmsten Sommer seit 1881 und sonnigster Sommer seit Messbeginn |
| 2021 | 17,9 °C | +1,6 °C | Warm; sehr niederschlagsreicher Sommer mit schweren Hochwasserereignissen |
| 2020 | 18,2 °C | +1,9 °C | Warm; wechselhafter „Schaukelsommer“, regional trocken und mit August-Hitze |
| 2019 | 19,2 °C | +2,9 °C | Sehr warm; drittwärmster Sommer seit 1881 und extreme Hitzerekorde |
| 2018 | 19,3 °C | +3,0 °C | Extrem warm; zweitwärmster Sommer seit 1881, außergewöhnliche Dürre |
| 2017 | 18,0 °C | +1,7 °C | Warm; viele Gewitter, Starkregen und deutliche regionale Unterschiede |
| 2016 | 17,8 °C | +1,5 °C | Warm; schwülwarmer Sommer mit schweren Unwettern im Juni und Hitze Ende August |
| 2015 | 18,4 °C | +2,1 °C | Sehr warm; drittwärmster Sommer seit 1881 zum damaligen Stand, mehrere Hitzewellen |
| 2014 | 17,1 °C | +0,8 °C | Leicht zu warm; wechselhafter Sommer |
| 2013 | 17,7 °C | +1,4 °C | Warm; warmer Sommer mit besonders heißem Juli |
| 2012 | 17,1 °C | +0,8 °C | Leicht zu warm; wechselhafter Sommer mit einzelnen Hitzephasen |
| 2011 | 16,8 °C | +0,5 °C | Leicht zu warm; insgesamt nur moderat über dem Klimamittel |
| 2010 | 17,8 °C | +1,5 °C | Warm; sehr warmer Juli, wechselhafter Sommerverlauf |
| 2009 | 17,2 °C | +0,9 °C | Leicht zu warm; insgesamt warmer Sommer |
| 2008 | 17,4 °C | +1,1 °C | Warm; leicht überdurchschnittlich |
| 2007 | 17,2 °C | +0,9 °C | Leicht zu warm; warmer, aber wechselhafter Sommer |
| 2006 | 18,1 °C | +1,8 °C | Warm; sehr heißer Juli im Umfeld der Fußball-WM |
| 2005 | 16,7 °C | +0,4 °C | Nahe am Klimamittel; insgesamt eher unauffällig |
| 2004 | 16,8 °C | +0,5 °C | Leicht zu warm; wechselhafter Sommer |
| 2003 | 19,7 °C | +3,4 °C | Extrem warm; wärmster Sommer seit 1881 |
| 2002 | 18,0 °C | +1,7 °C | Warm; sehr warmer Sommer mit regional erheblichen Niederschlägen |
| 2001 | 17,2 °C | +0,9 °C | Leicht zu warm |
| 2000 | 16,6 °C | +0,3 °C | Nahe am Klimamittel |
| 1999 | 17,1 °C | +0,8 °C | Leicht zu warm |
| 1998 | 16,5 °C | +0,2 °C | Nahe am Klimamittel |
| 1997 | 17,6 °C | +1,3 °C | Warm |
| 1996 | 16,2 °C | −0,1 °C | Leicht kühl; knapp unter dem Klimamittel |
| 1995 | 17,6 °C | +1,3 °C | Warm; sehr warmer und trockener Sommer |
| 1994 | 18,4 °C | +2,1 °C | Sehr warm; einer der herausragenden Hitzesommer der 1990er |
| 1993 | 15,8 °C | −0,5 °C | Leicht kühl |
| 1992 | 18,3 °C | +2,0 °C | Sehr warm; ausgeprägter Hitzesommer |
| 1991 | 16,9 °C | +0,6 °C | Leicht zu warm |
| 1990 | 16,7 °C | +0,4 °C | Nahe am Klimamittel |
| 1989 | 16,7 °C | +0,4 °C | Nahe am Klimamittel |
| 1988 | 16,3 °C | ±0,0 °C | Genau am Klimamittel |
| 1987 | 15,4 °C | −0,9 °C | Kühl; deutlich unter dem Klimamittel |
| 1986 | 16,4 °C | +0,1 °C | Nahe am Klimamittel |
| 1985 | 15,7 °C | −0,6 °C | Kühl |
| 1984 | 15,5 °C | −0,8 °C | Kühl; einer der kühleren Sommer des Zeitraums |
| 1983 | 18,3 °C | +2,0 °C | Sehr warm; ausgeprägter Hitzesommer |
| 1982 | 17,5 °C | +1,2 °C | Warm |
| 1981 | 16,0 °C | −0,3 °C | Leicht kühl |
| 1980 | 15,5 °C | −0,8 °C | Kühl; deutlich unter dem Klimamittel |
| 1979 | 15,8 °C | −0,5 °C | Leicht kühl |
| 1978 | 15,1 °C | −1,2 °C | Sehr kühl; kältester Sommer im Zeitraum 1976–2025 |
| 1977 | 16,0 °C | −0,3 °C | Leicht kühl |
| 1976 | 17,6 °C | +1,3 °C | Warm; markanter Dürre- und Hitzesommer |
Kontrollierte Extremwerte des Zeitraums
Wärmster Sommer: 2003 mit 19,7 °C (+3,4 °C).
Zweitwärmster: 2018 mit 19,3 °C (+3,0 °C).
Drittwärmste: 2019 und 2022 mit jeweils 19,2 °C (+2,9 °C).
Kältester Sommer: 1978 mit 15,1 °C (−1,2 °C).